Dynamics of Neo-Latin and the Vernacular

Puteanus aan Lipsius

98 06 01 Brief von Puteanus (Gallarate) an Lipsius (Leuven)
– vertaling Ümmü Yüksel

Zu Leuven. Justus Lipsius, dem verehrten Herrn, königlichen Historiographen.

Es ist angenehm, dir zu schreiben, sehr geehrter Herr und vor nicht eben langer Zeit habe ich dir einen Brief geschickt, einen großen/langen und mit dichten Furchen/Zeilen beschrieben, besprengt/gespickt mit reichem Samen von Dingen, aber von diesem habe ich bis jetzt keine Frucht erhalten. Wenn ich mich nicht irre/täusche, ist entweder meiner oder deiner verloren gegangen. Meiner, auf den du ganz ohne Zweifel geantwortet hättest/habest; deinen, den ich nicht empfangen habe. Nun schicke ich dir das Buch, das ich veröffentlicht habe, damit es dein Urteil erfahren möge, und ich schicke es gerne, weil ich es einem Willigen schicke, der du begierig bist, das weiß ich, diese(s) Probe/-stück meines Ruhmes zu betrachten/anzuschauen und mit freundlicher und ernster Ermahnung die Hoffnung meiner Veranlagung zu unterstützen. Was ich umso lieber tue, als ich es den Schmeicheleien und Lobpreisungen der übrigen vorziehe. Ich ertrage es nicht, von irgendeinem beliebigen beurteilt zu werden, von dir aber möchte ich das sogar begierig ersuchen. Du kannst mir ja es nicht vorwerfen, es sei denn, du legst es darauf an, sind doch solche ehrgeizig, es sei denn sie verachten. Sie pflücken, vielmehr raffen sie, sie korrigieren nicht, wenn ein Fehler ist. Selbst wenn kein Fehler ist, sodass sie natürlich die Heilung ihrer Faulheit zu fremden Schulden machen und als Dunkle vom Namen bekannt werden mit fremden Namen. Du aber, sehr geehrter Herr, den die Sicherheit des Ruhmes frei macht/zum Freien macht und die Vorzüglichkeit der Lehre zum Wahrhaftigen in der Beurteilung anderer, du kannst ohne Verdächtigung irgendeiner Leidenschaft (unparteiisch) das Urteil des richtig Fühlenden bestätigen oder die Meinung des falsch Vermutenden verurteilen/verdammen. Das erbitte ich von dir und befehle dir, das gut zu machen.

Zu Gallarate, wohin ich mich mit dem sehr berühmten Wolfgang Diedrich, Graf von Hohenheim, meinem Beschützer, der Sommerhitze wegen gemeinsam zurückgezogen habe. Den berühmten Mann Gerardus Corselius grüße ich über dich.